Pias
Geschichte

Das Leben als Single-Mutter

– und das Treffen mit dem anonymen Spender

Ich heiße Pia und bin 47 Jahre alt. Vor 12 Jahren bin ich als alleinstehende Frau Mutter geworden und habe Oliver bekommen, der ein Spenderkind ist. Ich habe auch einen Sohn, Mathias, aus früherer Ehe. Als ich mit Oliver schwanger wurde, wurde ich von einem anonymen Spender schwanger. Trotzdem haben Oliver und ich Olivers Spender im Jahr 2017 getroffen.

Der Anfang
Mein Ex-Mann und ich haben Mathias 1997 bekommen, als ich 25 Jahre alt war. Ich hatte immer den Wunsch zwei Kinder zu bekommen. Diesen Wunsch hatte mein Ex-Mann jedoch nicht, weil er bereits vier Kinder aus einer früheren Beziehung hatte. Als wir uns 7-8 Jahre später haben scheiden lassen, habe ich wieder angefangen darüber nachzudenken, zwei Kinder zu bekommen, und für drei Jahre habe ich überlegt, ob ich alleine ein Kind bekommen sollte. Das ist eine grosse Entscheidung, das möchte ich gerne zugeben. Deswegen sollte die Entscheidung auch wohlüberlegt sein. Die Frage, ob ich es alleine schaffen konnte, war natürlich da, aber ich wusste, dass dies für mich das Richtige war. 12 Jahre nachdem ich meinen ersten Sohn bekommen hatte, bekam ich mein zweites Kind, Oliver.

Skeptiker und der Verlauf
Ich habe während dem ganzen Verlauf Personen getroffen, die sehr skeptisch waren. Die erste war meine frühere Ärztin, die geradezu ausstrahlte, dass sie es ethisch nicht in Ordnung fand, dass man alleine ein Kind bekommt, und deswegen wollte sie mir keine Überweisung geben, die man in Dänemark braucht um bei der Fertilitätsbehandlung vom Staat unterstützt zu werden. Dies ist nur 12 Jahre her und am Tag danach habe ich mir einen neuen Arzt gesucht. Ich habe online Informationen über die Inseminationsbehandlung und über Spenderkinder gesucht, und dann habe ich auch nach einem neuen Arzt Ausschau gehalten – zum Glück fand ich einen Guten. Meine frühere Ärztin hatte ein Verfahren angefordert, weil sie immer noch davon überzeugt war, dass die ganze Sache nicht in Ordnung sei, aber das Verfahren wurde schnell abgewiesen. Bei meinem neuen Arzt bin ich fünfmal inseminiert worden, ohne schwanger zu werden, und ich war kurz davor den Plan zu verschieben. Beim sechsten Versuch kontaktierte ich jedoch Liza (Diers), und wurde dort ohne Hormone behandelt, und dies war für mich ausschlaggebend.

Meine Freundinnen und meine Familie haben mich im ganzen Verlauf unterstützt, sie haben mir aber auch kritische Fragen gestellt: “Bist du dir sicher, dass du es schaffst?”, “Bist du bereit nochmal von vorne anzufangen?” und “Wie kriegst du das finanziell hin?”. Es hat mir gut getan diese Fragen gestellt zu bekommen, weil ich mich diesen Fragen stellen musste. Aber ich wusste, dass ich es schaffen würde. Mein Ex-Mann war Reisemonteur, und deswegen war ich auch früher oft alleine. Es ist nicht so, dass ich nicht gezweifelt habe, aber es war eher ein Zweifeln bzgl. dem Zeitpunkt – nicht bzgl. der Entscheidung. Und dann wurde mir auch die Frage gestellt: “Findest du es ethisch in Ordnung als Single-Frau ein Kind zu bekommen?”, und meine Antwort ist: Ja. Für mich ging es darum herauszufinden, ob das Bedürfnis einen Mann zu haben größer war als das Bedürfnis, dass es mir gut ging und dass ich in der Entscheidung ruhen konnte.

Das Verhältnis zwischen Mathias und Oliver
Mathias fand es cool einen kleinen Bruder zu bekommen. Er war damals 12 Jahre alt. Es war auch Mathias, der die Nabelschnur abgetrennt hat. In vielen Hinsichten kann man schon sagen, dass ich zwei Einzelkinder habe. Natürlich gab es Zeiten, wo Mathias Oliver nervig fand – wie zwei Brüder halt sind, aber heute haben sie ein enges Verhältnis. Vielleicht liegt es daran, dass wir immer nur wir drei waren – und meine Mutter, die in der Nähe wohnt und uns viel geholfen hat. Die ganze Hilfe von sowohl der Familie als auch von Freunden, hat unendlich viel bedeutet.

Die Frage: “Wieso holt dein Vater dich nie ab?”
Es ist ganz natürlich, dass Kinder Fragen stellen, und die Frage, warum sein Vater ihn nie abgeholt hat, ist auch eine Frage, die Oliver von anderen Kindern gehört hat. Wenn welche gesagt haben: “Du hast keinen Vater”, haben die Erzieher gesagt: “Alle haben einen Vater, und das gilt auch für Oliver.” Aber das ist in Olivers Fall nicht richtig. Er hat keinen Vater, weil Vater ein Titel ist, den man sich verdienen muss, und es geht dabei eher um eine Beziehung als eine genetische Bedingung. Aber ich habe die Problematik im Kindergarten verstanden, und es konnte schwierig sein die Situation zu erklären. Deswegen haben wir Olivers Spender Spendervater genannt.

Die Wahl zwischen einem anonymen und offenen Spender
Als ich mich dafür entschieden habe ein Spenderkind zu bekommen, habe ich manchmal die Frage gestellt bekommen: “Wieso gehst du nicht einfach feiern und suchst dir da einen Mann?”, aber das würde ich niemals tun. Nur weil ich den Mann gesehen habe, bedeutet dies nicht, dass ich ihn kenne, und es war mir wichtig zu wissen, dass auf eine ordentliche Weise gemacht wurde und mit einem ordentlichen Mann passierte. Mit einem Spender ist alles kontrolliert, und heutzutage ist es nicht einfach Spender zu werden, weil der Spender sowohl Interviews als auch diverse Tests durchmachen muss. Ich habe mir einen anonymen Spender ausgesucht und dafür habe ich meine Gründe.

Meine Überlegungen damals gingen u.a. in die Richtung, dass Oliver mit 18 Jahren seinen Spender sehen kann, und dass dies natürlich ein Besorgnis sein kann, und gleichzeitig auch eine Entscheidung mit großen Erwartungen. Ich habe mich entschieden, ihn nicht vor die Wahl zu stellen – und mit dieser Entscheidung habe ich leben müssen – bis es plötzlich für Oliver die Möglichkeit gab seinen Spender zu sehen.

Den Spender kennenlernen
Ich habe ein Foto von dem Spender als Kind, und das habe ich irgendwann meiner Mutter gezeigt, die gesagt hat: “Ach wie sieht Oliver süß aus. Aber den Pulli habe ich noch nie gesehen.” Es ist ganz klar, dass ich neugierig war, aber es ging mir und es geht mir immer noch gut mit der Entscheidung, einen anonymen Spender gewählt zu haben.

Irgendwann habe ich mich in Spendergruppen angemeldet, weil ich wusste, dass man auf diese Weise Halbgeschwister finden könnte, falls Oliver dies wünschen sollte. In der Gruppe wurde ich gefragt, ob ich mich auf eine Liste setzen lassen wollte in Bezug auf Spendergeschwister, welches ich abgelehnt habe, aber ich fand es schön zu wissen, dass es sie gab. Es gab auch eine Liste mit Spendern, wo man sich aufschreiben lassen konnte, falls der anonyme Spender, den man verwendet hatte, sich dazu entscheiden würde offener Spender zu sein. Diese Liste habe ich ebenfalls abgelehnt.

Im Jahr 2017 wurde ich von der Administratorin einer Facebook-Gruppe kontaktiert, die mich gefragt hat, ob Oliver Kontakt zu seinem Spender hätte. Gleichzeitig schrieb sie, dass sie die Kontaktdaten vom Spender hätte, falls ich diese gerne haben würde. Es gab ein neues Gesetz, welches es für Spenderkinder ermöglichte, die Kontaktdaten des Spender zu erhalten, falls die Spenderkinder dies wünschten. Diese Information musste ich erst einmal verdauen. Der Spender wusste ja nicht, dass wir existierten. Aber danach wurde ich neugierig, und das hat mich irritiert, weil es gegen alles sprach, was ich mir die ganze Zeit überlegt hatte. Ich entschied mich aber dafür ihm zu schreiben, dass ich seine Daten erhalten hatte, und das Oliver noch nichts wusste. Ich wollte wissen, was für eine Person er war. Er war nett und schickte Fotos von sich und seinen Kindern, und nach ein paar Monaten fand ich, dass ich einen guten Eindruck von ihm hatte, und dann habe ich Oliver erzählt, dass er die Möglichkeit hätte seinen Spender zu treffen. Zu dem Zeitpunkt war Oliver 10 Jahre alt.

Ich habe ihn gefragt: “Kannst du dich daran erinnern, dass du deinen Spender auf einem Kinderfoto gesehen hast? Jetzt kannst du ihn auch in Wirklichkeit sehen.” Ich habe Oliver angesehen, dass er überlegte, was das jetzt heißen würde, aber zum Schluss sagte er, dass er keine Lust hatte. Und das war komplett in Ordnung – es sollte nur seinetwillen sein, und nicht meinetwillen.

Als ein Monat vergangen war, fing Oliver an über den Spender zu sprechen. Oliver hat drei Sommersprossen auf dem Ohr, die ich nicht habe, und er zeigte darauf und sagte: “Ich würde gerne wissen, ob mein Spender dort auch drei Sommersprossen hat. Und dann würde ich gerne wissen, ob er auch Sport macht.” Oliver war Gymnast und ich antwortete ihm, dass wir den Spender fragen könnten – und das haben wir gemacht.

Er hatte keine Sommersprossen auf dem Ohr und er trieb auch keinen Sport auf besonders hoher Ebene, und daher war Olivers instinktive Antwort: “Na dann habe ich das wohl von dir, Mama.”

Nachdem wir eine Zeit lang mit dem Spender geschrieben hatten, wollte Oliver ihn gerne treffen. Der Spender hatte sein eigenes Unternehmen in Aarhus, und dort haben wir ihn besucht. Wir haben mit ihm geredet, und alles verlief gut, und Oliver hat auch einige Souvenirs mit nach Hause bekommen. Als wir nach Hause kamen, haben wir über ihn gesprochen, und Oliver sagte: “Er sieht aus wie ein Höhlenmann.” Und das war in vielen Hinsichten wahr, denn er hatte einen großen Bart. Danach haben wir etwas mit ihm geschrieben, aber seit dem Tag haben wir ihn nicht nochmal gesehen. Für Oliver war es ausreichend, dass er ihn gehört und gesehen hat, und ich glaube nicht, dass Oliver das Bedürfnis gehabt hätte, wenn die Möglichkeit sich nicht ergeben hätte.

Für mich hat sich durch das Treffen mit Olivers Spender nichts geändert. Ich habe natürlich überlegt, ob ich ihm damals etwas untergeschoben habe, aber ich finde, dass er es verdient hatte, zu wissen welche Möglichkeit es gab. Ein Teil meiner Überlegungen gingen auch darauf hinaus, wie er wohl später in seinem Leben reagieren würde, wenn er herausfinden würde, dass ich die Information hatte. Heute fragt er sehr selten danach, aber er weiß, dass die Möglichkeit besteht.

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