Emmas
Geschichte

Emmas Buch

Die Geschichte darüber ein Spenderkind zu sein

Ich heiße Emma, bin 23 Jahre alt und bin Spenderkind. Ich habe eine Mutter und einen Vater, und zwei Schwestern. Seit ich Kind bin, wollte ich stets allen darüber erzählen und aufklären, was es heißt ein Spenderkind von einem anonymen Spender zu sein. Meine Geschichte ist positiv, und das hat sowohl Akzept als auch Widerstand mit sich geführt.

Zu erfahren, dass man ein Spenderkind ist
Meine Eltern haben mir nie verheimlicht, dass ich ein Spenderkind bin. Als ich ganz klein war, haben sie ein Buch für mich geschrieben – über mich. Das Buch war sowohl als Gutenacht-Geschichte als auch als Kinderbuch gedacht, und in dem Buch erzählten sie die Geschichte darüber, wie ich auf die Welt kam. Das Buch haben sie mir das erste Mal vorgelesen, als ich 2 Jahre alt war und seitdem unzählige Male als Gutenacht-Geschichte.

In dem Buch haben meine Eltern über den netten Mann geschrieben, der meinen Eltern gerne helfen wollte, damit sie mich bekommen konnten. Auf diese Weise war der Fokus immer positiv und es war klar, dass ich ein Wunschkind war, welches auf eine ganz besondere Weise zur Welt kam.

Ein Buch zu haben, das mir immer wieder vorgelesen wurde, hat bedeutet, dass es ein stufenweiser Prozess war, zu verstehen, was es heißt ein Spenderkind zu sein. Je älter man wird, desto mehr Aspekte versteht man, und es kommen mehrere Fragen auf, indem man mehr versteht. Daher war es nie ein Schock für mich und es gab nicht diesen Zeitpunkt, wo meine Eltern mir die Wahrheit gesagt haben. Es war immer ein natürlicher Teil unserer Familie und von unserem Alltag, so weit ich mich zurückerinnern kann. Darüber bin ich immer sehr froh gewesen und ich glaube, dass dies eine große Bedeutung für meine Auffassung darüber gehabt hat, ein Spenderkind zu sein. Daher kann ich nur empfehlen, dass man von Anfang an ehrlich ist.

Einen anonymen Spender zu haben
Natürlich habe ich überlegt, ob ich vielleicht meinem Spender ähnlich sehe. Ich glaube, diesen Gedanken haben alle. Wenn das aber gesagt ist, dann habe ich nie das Bedürfnis gehabt mehr zu erfahren. Es war eine Neugierde, aber kein Bedürfnis. Als meine Eltern damals einen Spender ausgesucht haben, gab es keine Möglichkeit einen offenen Spender zu verwenden, daher war dies immer eine Bedingung. Bisher habe ich kein Interesse gehabt ihn zu finden, oder seine Spendernummer zu kennen, genau so, wie es mich nicht interessiert hat, herauszufinden, ob ich Halbgeschwister habe. Ich war ziemlich alt, als ich das erste Mal darüber nachgedacht habe, dass es möglich sei, dass ich Halbgeschwister habe. Meine zwei Schwestern sind die biologischen Kinder von meinen beiden Eltern, aber sie sind meine Familie und ich habe nie mehr gebraucht als sie.

Manchmal werde ich gefragt, ob ich nicht gerne wissen würde, was die Motivation des Spenders war, aber die Antwort war immer dieselbe. Es ist mir nicht wichtig. Allerdings werde ich ihm ewig dankbar sein, dass er Spender sein wollte und ich hoffe, er weiß, welch eine grosse Hilfe er für mich und meine Familie war. Ich denke an ihn mit großer Dankbarkeit und auf diese Weise hat er einen Platz in meinem Leben.

Es der Umwelt erzählen
Ich rede sehr offen darüber, dass ich ein Spenderkind bin. Sowohl weil ich denke, dass dies vieles einfacher gestaltet, als auch weil ich dieses Bedürfnis von anderen erlebt habe. Oftmals verstehen Leute nicht, was es heißt ein Spenderkind zu sein, uns seit ich in der Grundschule war, habe ich anderen erzählt, was es bedeutet. Als Kind habe ich erlebt, dass andere Kinder nicht verstanden haben, was es bedeutet – insbesondere weil man von draußen keinen Unterschied sehen konnte und nicht erkennen konnte, was anders war. Ich hatte ja sowohl eine Mutter als auch einen Vater – wie alle anderen.

Obwohl ich es immer offen erzählt habe, bin ich nie geärgert worden und es ist nie gegen mich verwendet worden. Allerdings habe ich erlebt, dass einige mir nicht geglaubt haben. Wahrscheinlich hing das damit zusammen, dass ich so ehrlich war und es nicht als Problem betrachtet habe, wie es von vielen erwartet wurde.

Ich erinnere mich daran, dass wir in der ersten Klasse unseren Stammbaum zeichnen sollten und über unsere Familie erzählen sollten. Damals kannte ich die Geschichte schon seit vielen Jahren, und deswegen erklärte ich meiner Lehrerin, dass ich nicht einfach so meinen Stammbaum zeichnen konnte. Dies hing damit zusammen, dass ich meinen Spender und seine Familie nicht kannte. Meine Lehrerin dachte, ich erfinde etwas und rief daher meine Eltern an, um ihnen zu sagen, dass ich Geschichten erzählte. Da wurde ich damit konfrontiert, dass nicht alle es natürlich fanden, so offen darüber zu sprechen.

Heute gibt es viele Familienkonstellationen, und ich glaube nicht, dass es heute auf gleiche Art und Weise hinterfragt werden würde, wie damals.

Später habe ich eine Berührungsangst bei anderen erlebt – Leute wissen nicht, ob ich ihnen leid tun soll, weil ich ein Spenderkind bin, oder ob sie Fragen stellen sollen. Auf diese Weise ist das Thema tabuisiert und ich möchte gerne helfen, dieses Tabu zu brechen.

Eine positive Geschichte erzählen
Ich bin froh ein Spenderkind zu sein, und ich bin meinem Spender dankbar. Und das ist genau die Geschichte, die ich der Umwelt erzählen möchte. Seine Geschichte zu exponieren hat aber auch seine Konsequenzen, und obwohl die meisten eine positive Reaktion haben, wenn sie meine Einstellung dazu ein Spenderkind zu sein hören, dann bekomme ich von Zeit zu Zeit auch negative Kommentare. Einigen tue ich leid, während andere sehr vorurteilshaft sind. Am allermeisten fehlt den Leuten ein grundlegendes Wissen auf dem Feld. Die Kommentare, die mich am meisten getroffen haben, sind die negativen Kommentare von anderen Spenderkindern, die es als falsch ansehen, dass ich meine positive Geschichte erzähle. Dies hängt oftmals damit zusammen, dass sie selbst traurig darüber sind, dass sie ihren Spender nicht kennen. Sie wünschen sich Änderungen, die meiner Geschichte widersprechen. Ich verstehe ihre Frustration, aber ich finde es gleichzeitig wichtig, dass alle Perspektiven einer Sache dargestellt werden, bevor große Entscheidungen getroffen werden, die viele Menschen betreffen.

Das weitergeben, was man mit auf den Weg bekommen hat
Ich habe festgestellt, dass es ein Bedürfnis gibt, Informationen darüber zu erhalten, was es heißt ein Spenderkind zu sein, als ich mit einer Freundin gesprochen habe, die sich in einer Situation befand, wo über ein Spenderkind nachgedacht wurde. Es gibt tausende Fragen und oftmals Fragen wie: “Wie geht es dir damit, dass du deinen Spender nicht kennst?” und “Hast du jemals Probleme erlebt, weil du ein Spenderkind bist?”. All diese Fragen bedeuten Leuten viel und es wird viel darüber nachgedacht.

Und dann gibt es natürlich die Frage, inwieweit man einen offenen oder anonymen Spender möchte. Ich kann nur erzählen, wie es für mich in meinem bisherigen Leben gewesen ist.

Es sind viele schwierige Entscheidungen zu treffen, wenn der Kinderwunsch einen Spender involviert. Deswegen habe ich meinen Blog gestartet: Donorchild by Emma Grønbæk. Hier schreibe ich über meine Erlebnisse als Spenderkind, Gedanken und Kommentare, und all das mit dem Ziel mein Wissen und meine Erfahrungen zu teilen. Ich hoffe, dass ich dadurch zu einem besseren Wissen generell beitragen kann und natürlich hoffe ich auch, dass ich dadurch andere Spenderkinder und deren Eltern beruhigen und unterstützen kann.

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