Fredriks
Geschichte

Wenn man selbst
Vater wird

Bedeutet dann die Genetik etwas?

Mein Name ist Fredrik und ich bin Spenderkind. Ich bin 30 Jahre alt und ausgebildeter Lehrer. Ich lebe zusammen mit meiner Verlobten Charlotte in Aarhus. Zusammen haben wir einen Sohn, Viggo, der 1 Jahr alt ist. Für mich hat es nie viel bedeutet, dass ich ein Spenderkind bin. Allerdings habe ich oftmals erlebt, dass dieses Faktum für andere sehr bedeutsam war.

Spenderkind sein
Mein Bruder war sieben und ich war fünf, als wir erfahren haben, dass wir Spenderkinder sind, und das ist eine ziemlich süße Geschichte, die mir mein Vater und Bruder seither erzählt haben. Wir wohnten in der Nähe von einem Strand, und meine Mutter hat uns mit dahin genommen mit einer Decke, damit wir darauf sitzen und reden konnten. Meine Mutter sagte zunächst: “Ich muss euch eine kleine Geschichte erzählen”. Und diese Geschichte war die Geschichte darüber, wie mein Bruder und ich auf die Welt gekommen sind. Sie erzählte, dass sie und mein Vater einen innerlichen Wunsch hatten uns zu bekommen, aber dass sie dies nicht alleine konnten. Deshalb haben sie von einem Mann Hilfe bekommen, den sie nicht kannten. Glücklicherweise hatte er dazu ja gesagt, meinen Eltern zu helfen, und deswegen hieß es in der Geschichte, dass wir unter einem glücklichen Stern geboren waren. Meine Mutter hat mir erzählt, dass ich kaum reagierte und meine Antwort war: “Okay. Alles klar.” Mein großer Bruder hatte 2 Jahre zuvor mehr nachgefragt, wie es eigentlich funktionierte, und nicht viel später kam die Frage: “Ist Papa eigentlich mein richtiger Papa?”. Darauf waren meine Eltern überhaupt nicht vorbereitet, und deswegen hatten sie ihre Antworten nicht koordiniert. Die Antwort meiner Mutter lautete daher “Nein”, während mein Vater mit “Ja” antwortete.

Von Anfang an war mein älterer Bruder sehr neugierig bzgl. dem Thema, während es bei mir ganz anders war, und so geht es mit immer noch. Mir ist es nicht wichtig zu wissen, von wem ich meine Gene habe, und ich habe nie gedacht, dass dies eine größere Bedeutung hätte. Darauf bin ich erst aufmerksam geworden, wenn ich anderen meine Geschichte erzählt habe und sie darauf mit Aussagen wie “Oh, wie spannend” reagiert haben.

Spenderkind sein in Worte fassen
Ich bin ein Paar Mal damit konfrontiert worden, dass ich ein Spenderkind bin, und wo ich gezwungen war dies in Worte zu fassen. Ich habe immer gesagt, dass ich keine Lust habe meinen Spender zu treffen – selbst wenn ich die Möglichkeit hätte – aber irgendwann fing ich an mich vom Aussehen her von meinem Bruder zu unterscheiden. Ich war plötzlich einen Kopf größer als mein Bruder, mein Vater und meine Mutter, und da habe ich angefangen darüber nachzudenken, wo das herkam. Später hat Charlotte, meine Verlobte, die extrem neugierig ist, Fragen gestellt, wie: “Vielleicht gibt es da draußen jemanden, der dir ähnlich sieht. Jemand, der genauso groß ist, und den gleichen roten Bart wie du hast.” Und dann bin ich ja auch neugierig geworden, aber jedes Mal bin ich zum gleichen Ergebnis gelangt, dass ich nicht das Bedürfnis habe, es zu wissen. Er spielt in meinem Leben ja keine Rolle, er ist bloß eine kleine Samenzelle.

Eine Zeit lang habe ich gedacht, dass es lustig sein könnte zu wissen, warum ich niemandem aus meiner Familie ähnlich sehe. Ich habe immer und verbringe immer noch viel Zeit mit meinem Cousin, und irgendwann fingen wir an uns sehr ähnlich zu sein. Die gleichen Züge – groß, roter Bart usw. Heute sehen wir uns so ähnlich, dass mein Sohn uns nicht unterscheiden kann. Das hat dazu geführt, dass ich mir gedacht habe: “Okay. Dann habe ich diese Züge wohl von meiner mütterlichen Seite – und nicht von meinem Spender, wie ich es mir sonst gedacht habe”. Der Gedanke, dass ich besondere Züge von meinem Spender habe, wurde daher schnell weggeschoben und es war eigentlich egal.

 

Wenn man selbst Vater wird
Jetzt habe ich selbst einen Sohn, und meine Freundin hat mich gefragt, ob dies etwas geändert hat bzgl. der Vorstellung ein Spenderkind zu sein. Aber es hat nichts geändert. Wir haben Viggo bekommen, der unser ist – genau so, wie sein Großvater väterlicherseits sein Großvater ist, und ich sein Vater bin. Es ist nicht so, dass ich mir denke, dass es für Viggo wichtig ist zu wissen, dass ich ein Spenderkind bin, aber ich werde es ihm natürlich eines Tages erzählen. Wenn ich Viggo anschaue, denke ich an mich und Charlotte und nicht daran, ob seine Gesichtszüge von meinem Spender stammen. Für mich geht es um Beziehungen, und Beziehungen und Genetik sind einfach zwei unterschiedliche Dinge. Ich verstehe durchaus, warum es für einige wichtig ist, ihren Spender kennenzulernen, aber für mich gibt es dieses Bedürfnis nicht. Für mich spielen die Erziehung und das Umfeld, in dem man groß geworden ist, die entscheidende Rolle in Bezug darauf was für ein Mensch man wird. Die Familie ist essentiell – alles andere, wie z.B. Augenfarbe, Haarfarbe usw. ist für mich nicht wichtig.

Einen anonymen Spender haben
Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass ich eine andere Auffassung haben würde als jetzt, wenn mein Spender offen wäre und ich damit die Möglichkeit hätte ihn zu treffen. Das, was mir wichtig und bedeutsam erscheint, würde immer noch wichtig und bedeutsam sein, und mein Familienbild wäre wahrscheinlich nicht anders. Vielleicht hätte ich jedoch eine andere Neugierde, wenn ich wüsste, dass ich ihn treffen könnte.

Meine Mutter war sehr spirituell, deswegen wollte sie damals nicht, dass der Samen eingefroren wurde. Das bedeutete, dass es schnell gehen musste. Als Kind hatte ich eine Vorstellung, dass der Spender und meine Mutter auf jeweils ihrer Seite von einem langen Tuch lagen, und deswegen fand ich es komisch, dass meine Eltern den Spender nicht gesehen hatten. Jetzt, wo mein Gehirn rationell denken kann, kann ich mir denken, dass es nicht so passierte.

Bei uns zu Hause haben wir ein sehr entspanntes Verhältnis dazu, Spenderkinder zu sein. Eine lustige Geschichte ist, dass sowohl der Spender meines Bruders als auch mein Spender vom Arzt meiner Eltern aufgesucht wurden, weil der Arzt auf der Universität nach einem Mann gesucht hat, der unserem Vater ähnlich sah. Damals passierte so etwas einfach “face to face”, und er hat einen kleinen Geldbetrag dafür erhalten. Deshalb gab es bei uns immer den Witz, dass ich nur 250 dänische Kronen (35 €) gekostet habe. “Ein wirkliches Schnäppchen” sagen wir immer. 

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Andere Erzählungen

Aksels Geschichte

Aksel ist Spenderkind. Er hat zwei Mütter. Aksel ist 8 Jahre alt und hat einen Bruder, Viggo, der ebenfalls ein Spenderkind ist. Sie haben den selben offenen Spender. Viele in seine Schule sagen, dass es für zwei Mütter nicht möglich ist ein Kind zu bekommen.

Esthers Geschichte

Esther ist Spenderkind und hat zwei Mütter. Esther ist 12 Jahre alt und hat zwei jüngere Brüder, die den selben anonymen Spender haben. Sie denkt nicht so sehr darüber nach, wer der Spender ist.

Emmas Geschichte

Emma ist 23 Jahre alt und Spenderkind. Sie hat eine Mutter und einen Vater und zwei Schwestern. Seit sie ein Kind war, wollte sie stets Menschen darüber erzählen und aufklären, was es heisst ein Spenderkind von einem anonymen Spender zu sein. Ihre Geschichte ist positiv und das hat sowohl Akzept als auch Widerstand mit sich geführt.

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