Wie würde es evtl. ein Kind psychisch beeinflussen, wenn ich allein ein Spenderkind bekommen würde?

Jul 6, 2020 | Briefkasten, Spendereltern, Spenderkind | 0 Kommentare

Ich bin fast 35 Jahre alt und geschieden. Mit meinem Ex-Mann habe ich eine Tochter, Anine, die 4 Jahre alt ist. Meine Tochter wünscht sich ein Geschwisterchen, und ich würde ihr gerne ein Geschwisterchen geben, weil ich selbst ein sehr enges Verhältnis zu meinen Geschwistern habe, und ich habe auch nicht das Gefühl, dass ich mit Schwangerschaften/Babys abgeschlossen habe. Allerdings kann ich mich nicht damit zurechtfinden, ob es eine egoistische Wahl wäre ein Spenderkind allein zu bekommen. Das Kind würde damit aufwachsen, dass Anine an Wochenenden und in den Ferien bei ihrem Vater ist, und sie hat auch mehrere Großeltern usw., währen das zweite Kind „nur“ mich und meine Familie hätte. Wie würde dies ein Kind evtl. psychisch beeinflussen?

Grüße Michelle

Liebe Michelle,

Vielen Dank für Ihre Frage. Wir wissen, dass sehr viele Singlefrauen ähnliche Überlegungen haben, bevor sie sich dazu entscheiden ein Kind mit Hilfe eines Spenders zu bekommen – egal ob sie bereits ein Kind, wie Sie, haben, oder ob es sich um das erste Kind handelt. Daher sind wir auch davon überzeugt, dass sehr viele sich freuen werden, festzustellen, dass es andere gibt, die sich in derselben Situation befinden und dass sie damit mit ihren Fragen und Sorgen nicht allein sind.

Die Gedanken, die Sie sich machen, sind vernünftig und auch sehr relevant im Voraus, und es ist besonders wichtig, dass Sie damit im Reinen sind, dass Ihr zweites Kind andere Grundbedingungen im Leben haben wird als Ihre Tochter, Anine. Wenn dies aber gesagt ist, dann werden Sie schnell feststellen, dass das Kind niemandem leidtun muss, weil es ohne Vater zur Welt kommen wird und dass Sie diese Entscheidung mit gutem Gewissen treffen können. Es wird keine Lücke im Leben des Kindes geben, weil die Situation für das Kind immer so gewesen ist – genauso wie Anine sich daran gewöhnt hat, dass ihre Mutter und ihr Vater nicht zusammenleben, wie auch andere Kinder andere Bedingungen im Leben von vornherein haben.

Natürlich werden mit der Zeit Fragen gestellt werden, und Sie werden bestimmt auch auf Herausforderungen treffen, aber deswegen ist es umso wichtiger, dass Sie sich mit Ihrer Entscheidung wohlfühlen und komplett damit im Reinen sind, dass Sie Ihre Wahl getroffen haben und dazu stehen können. Auf diese Weise wird es auch für Ihr Kind kein Problem darstellen. Wir empfehlen Ihnen, dass Sie so früh wie möglich das Thema Ihrem Kind gegenüber ansprechen, damit Sie die Fragen, die das Kind haben sollte, laufend beantworten können. Wenn das Kind es als Selbstverständlichkeit ansieht, dass er oder sie ohne Vater auf die Welt gekommen ist, dann wird das Kind auch keine Entbehrung spüren, sondern die Situation einfach als Grundbedingung betrachten. Umso entspannter Sie die Situation angehen und auch dafür offen sind, dass das Kind es schwierig finden wird, wenn die große Schwester am Wochenende bei ihrem Papa ist, desto einfacher wird es für Sie alle sein, und insbesondere für das Kind, Ihre Familienkonstellation zu akzeptieren.

Während Sie es vielleicht als egoistische Wahl betrachten diesen Weg zu gehen, könnte man umgekehrt auch sagen, dass die Wahl ein Kind zu bekommen – egal auf welche Art und Weise – immer eine egoistische Wahl ist. Nur weil man in einer Beziehung ist, ist der Kinderwunsch nicht „richtiger“ oder weniger egoistisch, als wenn man seinen Kinderwunsch als Single nachgeht.

Ein Kind zu bekommen, ist ein innerlicher Wunsch von vielen, genauso wie es für Sie wichtig ist, dass Anine die Möglichkeit bekommt ein Geschwisterchen zu bekommen, weil Sie selbst wissen, welche Freude Geschwister Ihnen persönlich in der Kindheit gegeben haben, und Sie wissen auch, welche einzigartige Beziehung man zu seinen Geschwistern aufbauen kann. Ich denke auch nicht, dass Sie sich zu viele Gedanken darüber machen sollten, dass dem Kind etwas fehlen wird, weil das Kind „nur“ Sie und Ihre Familie haben wird, während Anine auch ihren Vater und seine Familie hat. Das Kind wird ab dem ersten Tag wissen, dass dies die Bedingungen sind, und Sie und Ihre Familie haben ganz bestimmt die Möglichkeit dem Kind all die Liebe und Aufmerksamkeit zu geben, die das Kind benötigt. Und das ist im Endeffekt, das einzige was zählt. Nur weil das Kind keine große Familie und viele Großeltern hat, bedeutet dies nicht, dass er oder sie irgendetwas vermissen wird – wahrscheinlich eher ganz im Gegenteil, weil Sie sich darüber im Klaren sein werden, dass das Kind diese Bedingungen von Geburt an haben wird.

Mehrere Studien zeigen, dass Spenderkinder von Singleeltern genauso gut zurechtkommen wie andere Kinder. Die Studien untersuchen verschiedene Parameter und verhalten sich sowohl zu den Kindern im Kindesalter wie auch im Erwachsenenalter. Es gibt also nichts, was darauf hindeutet, dass Spenderkinder ein größeres Risiko haben psychische Herausforderungen im Leben zu bekommen oder auf andere Probleme stoßen, die andere Kinder nicht treffen. Auch hier ist es wieder wichtig zu erwähnen, dass umso früher das Thema angesprochen wird, desto leichter wird es für das Kind sein die Situation zu verstehen und zu akzeptieren.

Ich kenne selbst Familien in allmöglichen Familienkonstellationen und kenne auch Familien, die sich in derselben Situation befinden, die Sie beschreiben. Die meisten Familien erleben keinerlei Probleme, und es ist ganz deutlich, dass sie immer offen und ehrlich über das Thema geredet haben – sowohl innerhalb der Familie und dem Kind gegenüber als auch im Freundes- und Bekanntenkreis. Allerdings kenne ich auch einige Familien, wo die kleine Schwester oder der kleine Bruder es als schwierig empfindet, wenn der ältere Geschwisterteil ein Verhältnis zu einem Vater hat. Das Problem ist allerdings niemals so groß, dass die Entscheidung als Singlefrau ein Spenderkind zu bekommen, in Frage gestellt wird. Auch hier ist es wieder wichtig, dass Sie vorab Ihre Entscheidung akzeptiert haben diesen Weg einzugehen, damit Sie Ihren Entschluss „verteidigen“ können. Natürlich macht man sich vorab vielerlei Gedanken, und dies ist nur ein gutes Zeichen, aber letztendlich müssen Sie das richtige Bauchgefühl haben, wenn Sie diese Entscheidung für sich und Ihre Familie treffen, damit Sie auch die schwierigen Situationen, die in der Zukunft entstehen können, besser handhaben können. Auf diese Weise geben Sie Ihrem zukünftigen Kind auch die bestmögliche Ausgangslage für eine wundervolle Kindheit, wo er oder sie sich erwünscht und ganz „normal“ fühlen wird.

Vielleicht haben Sie hier auf unsere Homepage bereits Pias Geschichte gelesen, die Ihrer Situation sehr ähnelt. Falls Sie Lust hätten, wäre ich Ihnen sehr gerne damit behilflich einen Kontakt zu Pia herzustellen. Bevor sie sich dazu entschlossen hat Solomutter zu werden und Oliver zu bekommen, hatte sie viele der Gedanken, die Sie sich momentan machen, weil auch sie bereits ein Kind, Mathias, mit ihrem Ex-Mann hatte. Mathias hat immer und wird immer einen Kontakt zu seinem Vater haben, und Pia wusste vorab, dass Oliver diese Möglichkeit nicht haben würde. Dies war jedoch zu keinem Zeitpunkt ein Problem und auch kein Bedarf, den Oliver hatte. Ich denke ganz sicher, dass Sie davon profitieren könnten mit einer Frau zu sprechen, die sich in einer ähnlichen Situation befunden hat, und die sich die gleichen Sorgen vorab gemacht hat. Sollten Sie also Interesse haben mit Pia in Kontakt zu treten, bin ich Ihnen sehr gerne damit behilflich – insbesondere, weil ich weiß, wie wichtig es ist vorab ein gutes Bauchgefühl zu haben, bevor man eine solche große und wichtige Entscheidung fürs Leben trifft.

Abschließend möchte ich Ihnen nur sagen, dass es sich so anhört, als hätten Sie sich vorab alle guten und wichtigen Gedanken und Überlegungen gemacht. Manchmal braucht man einfach die letzte Bestätigung, dass die Entscheidung für Sie die richtige ist, und dann sind Sie bereit den Weg anzugehen. Vergessen Sie nicht auf Ihr Herz zu hören, und stehen Sie zu Ihrem Entschluss – egal wie dieser ausfällt. Ich wünsche Ihnen nur das Beste und alles Gute für Ihren Weg!

Liebe Grüße
Liza

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